Kategorie-Archiv: Lean Wissen

7. Oktober 2020

Buchvorstellung: „The Lean Toolbox“

The Lean Toolbox

The essential Guide to Lean Transformation
John Bicheno; Matthias Holweg
PICSIE Books, Buckingham, UK, 2016 (6. Auflage)

The Lean Toolbox

Warum ich dieses Buch hier vorstelle

Im Herbst 2011 war ich als Lean-Trainer in der Türkei tätig. Neben dem Fleiß und dem Engagement der türkischen Kollegen fiel mir bald auf, dass sich der Werkleiter und viele Führungskräfte bereits vor meinem Projekt intensiv mit dem Thema Lean auseinander gesetzt hatten. Mit Stolz zeigte mir der Lean Manager des Standortes sein grünes Buch, die Lean Toolbox von Bicheno/Holweg, in der alles Wichtige über das Thema Lean zu finden sei.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland bestellte ich gleich das grüne Taschenbuch. Seit 8 Jahren steht es nun in meinem Bücherregal und immer wieder empfehle ich es meinen Kunden als Referenzwerk zum Thema Lean.

Rezension

Die Lean Toolbox von Bicheno/Holweg ist aus meiner Sicht das beste Nachschlagewerk zu allen Themen rund um Lean Production. Auf 280 Seiten gibt es einen breiten Überblick über die Lean-Philosophie und alle wichtigen Methoden. Außerdem schlägt es drei „Lean Transformation Frameworks“ vor, mit denen Lean in Unternehmen eingeführt werden kann. Für Führungskräfte in der Produktion ist ebenfalls interessant, dass es separate Kapitel zu den Themen Strategie, Managing Change und KVP/Kaizen enthält. Weiterhin wird mit eigenen Kapiteln die Brücke geschlagen zu Qualität, SCM und Controlling. Die Auswahl an Lean-Themen ist in jeder Hinsicht umfassend.

Das Buch ist zweispaltig gesetzt und in lockerer Sprache geschrieben. Es enthält viele Checklisten und Aufzählungen, Tabellen und einfache Übersichtsgrafiken, um Zusammenhänge zu visualisieren. Aufwändige Zeichnungen oder Fotos sind nicht enthalten. Es enthält nur wenige Beispiele, aber dafür viele Querverweise auf weiterführende Literatur.

Die Lean Toolbox kann man verwenden, um sich in die wichtigsten Lean-Themen einzulesen. Vor allem aber ist es ein sehr gutes Nachschlagewerk, das keinem Produktionsleiter und -experten fehlen sollte. In Skandinavien, UK und Benelux ist es das Standardwerk vieler Hochschulen im Bereich Lean und Operational Excellence.

Schließlich ist das Buch mit einem Preis von €17 so günstig, dass sich jedes weitere Zögern eigentlich erübrigt.

Als kleiner Wermutstropfen sei genannt, dass die Lean Toolbox nur auf Englisch verfügbar ist. Wen dies nicht vom Kauf abhält, der erhält mit diesem Buch einen exzellenten Begleiter für alle Fragen rund um das Thema Lean.

28. September 2020

Einfach mehr produzieren – mit der richtigen Abtaktung

Beim Abtakten von Fertigungslinien geht es darum, für die verschiedenen Prozessschritte eines Wertstroms die Prozesstakte so zu gestalten, dass einerseits der Gesamtoutput der Fertigung maximiert wird und andererseits die Produktionssteuerung dazu passt. In Beratungsprojekten erlebe ich in der Praxis immer wieder zwei Probleme dabei:

Nettotakt ist nicht gleich Bruttotakt

Erstens werden bei der Taktanalyse zwar regelmäßig die Nettotakte der Maschinen berücksichtigt, vielleicht auch noch die Anzahl paralleler Maschinen, nicht aber der Ausschuss, die technische Verfügbarkeit und die geteilte (organisatorische) Verfügbarkeit von Maschinen, die Teil von mehreren Wertströmen sind. Das Ergebnis ist dann eine Taktanalyse, die wenig mit dem zu tun hat, was die/der Produktionsverantwortliche auf dem Shopfloor sieht. Als Konsequenz daraus wird das Ergebnis der Taktanalyse nicht akzeptiert und die Methode an sich infragegestellt.

Die Taktfolge zieht eine bestimmte Produktionssteuerung nach sich – nicht umgekehrt!

Das zweite Problem, das ich oft bei der Taktanalyse beobachte, ist ein fehlender Abgleich zwischen der Taktanalyse und der eingesetzten Produktionssteuerung. Ein geübter Industrial Engineer kann aus dem Bild einer Taktanalyse herauslesen, welche Produktionssteuerungsarten an welchen Stellen des Wertstroms eingesetzt werden sollten. Beispielsweise ergibt sich zwischen einem kurzen Takt und einem längeren Takt ein Stau, der durch eine geeignete Zuflusssteuerung begrenzt werden muss. Geschieht dies nicht (und verlässt man sich z. B. ausschließlich auf MES- oder SAP-Terminlisten), bilden sich sehr schnell „hidden Factories“ heraus, in denen die Mitarbeiter vor Ort selbst versuchen, sich irgendwie zu organisieren. Denn „das, was der Computer sagt, funktioniert eh nie“.

Vorlage Taktanalyse Screenshot

Richtig Abtakten mit einer besseren Vorlage und mehr Hintergrundwissen

Zur Lösung des ersten Problems empfehle ich, eine Vorlage für die Taktanalyse zu verwenden, die die technischen und organisatorischen Taktverluste berücksichtigt. Solch eine Vorlage finden Sie z. B. hier bei leandirekt im Vorlagenbereich.

Zur Lösung des zweiten Problems empfehle ich Ihnen, sich tiefer mit den Themen Taktanalyse und vor Allem Taktoptimierung zu beschäftigen. Das passende Training finden Sie hier:

https://www.leandirekt.de/termine/

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei, mit einfachen Mitteln mehr zu produzieren.