Im Mai und Juni habe ich das Thema digitaler Produktpass (DPP) in meinen Kanälen aufgegriffen: mit einem LinkedIn-Beitrag, einer kurzen Umfrage dazu, einem Leitfaden auf meiner Website (gemeinsam mit meinen Kollegen Oliver Hankeln und Peter Götz) und einem Newsletter. Am Ende stand jeweils die gleiche Frage: Wie steht Ihr Unternehmen zum DPP?
Die Ergebnisse hatte ich angekündigt. Hier sind sie, auch wenn sie nicht das sind, was ich mir vorgestellt hatte:
- Die LinkedIn-Umfrage hatte 445 Impressions und 4 Stimmen.
- Die ausführlichere Umfrage in meinem Umfragetool wurde 97-mal aufgerufen und kein einziges Mal ausgefüllt.
- Der Newsletter wurde von rund 76 Personen geöffnet, auf den Umfrage-Link klickten 4.
Das ist kein Ergebnis, mit dem man im Marketing gerne angibt. Ich halte es trotzdem für aufschlussreich. Deshalb hier meine Einordnung, ausdrücklich als Hypothesen und nicht als Gewissheit.
Was die Zahlen zeigen
Neugier ist da, Auskunftsbereitschaft nicht. 97 Aufrufe heißen: Das Thema war interessant genug für einen Klick. Ausgefüllt hat niemand. Zwischen „Ich schaue mal rein“ und „Ich gebe Auskunft über mein Unternehmen“ liegt offenbar eine große Lücke.
Die kleine Hürde gewinnt. Die Ein-Klick-Umfrage auf LinkedIn brachte vier Antworten. Die Umfrage mit neun Fragen brachte null. Wer Antworten will, muss es sehr leicht machen. Wer neun Fragen stellt, fragt viel Zeit ab, und zwar von Menschen, die mich zum Teil kaum kennen.
Die vier Stimmen deuten trotzdem in eine Richtung (bitte mit Vorsicht lesen, vier Antworten sind keine Statistik): Niemand hat schon ein Tool, zwei Personen sind beim Thema angekommen, aber ohne Lösung. Eine Person fragt „Was ist der DPP?“, eine sagt „Brauchen wir nicht“. Das entspricht dem, was ich im Gespräch höre: Das Thema ist bekannt, aber es hat noch keinen Druck.
Was noch dahinterstecken könnte
1. Das Thema ist wichtig, aber nicht dringend. Wer den DPP erst 2027 und später erwartet, beschäftigt sich zuerst mit dem, was diese Woche brennt.
2. Das Thema wurde nicht als „mein Problem“ erkannt. „Digitaler Produktpass“ klingt nach Regulierung, nicht nach einer Situation im Werk oder im Vertrieb.
3. Die Umfrage lag vielleicht an der falschen Stelle. Am Ende eines Leitfadens sind Leser eher am Nachdenken als am Ausfüllen.
Was ich daraus mitnehme
Ich lese das Ergebnis als Signal, das Thema ruhiger anzugehen, nicht als Absage. Der DPP bleibt für Hersteller relevant, aber ich werde ihn nicht lauter trommeln, als er gerade wahrgenommen wird. Und ich frage künftig nicht mehr mit einem Fragebogen, sondern mit einer einzigen Frage, die man in zehn Sekunden beantwortet, und im persönlichen Gespräch.
